Nokia macht schluss: Wieder nichts gelernt

Schon wieder schließt ein großer Konzern seine Produktionsstätte am Wirtschaftsstandort Deutschland. Diesmal ist es der Handyhersteller Nokia, der in ein paar Monaten die Lohnzahlungen an ca. 2300 Mitarbeiter einstellen wird. Für ca. 1000 Leiharbeiter ist jetzt schon Schluss. Die Betroffenen, zu denen neben den Arbeitern naturgemäß der Staat gehört und ein paar weitere Unternehmungen, die aus der Anwesenheit von so vielen Leuten einen Nutzen ziehen, verkünden ihr Missfallen. Und dazu haben sie auch Grund, denn einen Schaden tragen sie von diesem Schritt allesamt davon – nur jeweils einen ganz anderen.

Die Erklärung, wie ihr Schaden zustande kommt, teilen sie dann jedoch wieder. Der komme nämlich von Nokias „allein auf Profitmaximierung ausgerichtete Geschäftspolitik“. Hier fällt der christsoziale Politiker Stoiber das Urteil, es könnte aber auch genausogut von einem Gewerkschaftssprecher[1] oder einem Abgeordneten[2] „der Linken“ stammen. Zwar ist der Satz seinem Gehalt nach richtig. Allerdings wollen sie den nicht als logischen Schluss aus dem allgemeinen Urteil Dem Kapital geht es allein um Profitmaximierung verstanden wissen.

Die haben etwas anderes im Sinn, wenn sie so etwas sagen: Der Konzernleitung von Nokia werfen sie nämlich moralisches Versagen vor. An das Wohl der Arbeiter würden diese Leute nicht denken[3], sondern sich darauf beschränken, aus Geld mehr Geld zu machen, so der Vorwurf. In diesem äußert beliebten Urteil, nach dem man nicht lange suchen muss, wenn ein großes Unternehmen mal wieder das tut wozu ihn die Konkurrenz, in der es sich begeben hat, zwingt, kommt die Notwendigkeit, mit der diese ganze Poduktionsweise Schaden anrichtet, gar nicht vor. Das ist, in dieser Vorstellung, immer nur dann der Fall, wenn Funktionseliten ihrer sozialen Verantwortung nicht nachkommen.

Und diese Verantwortung schieben sie ihnen glatt unter. Ausgerechnet von den Charaktermasken des Staates, der das Recht auf Privateigentum garantiert und obendrein auch noch die Freiheit, damit anzustellen was man will, wird die Erwartung an das Kapital gestellt, doch bitteschön Verantwortung für das Umfeld, auf das es wirkt, zu übernehmen.[4]

Die Vorstellung verrät umgekehrt, wie sie sich das kapitalistische Wirtschaften im Idealfall vorstellt, nämlich als eine Sache, die allen Interessen in dieser Gesellschaft gerecht wird, solange nur jeder – schön moralisch – seinen Nächsten liebt. Vom fundamentalen Klassengegensatz, der sich daran fest macht, dass für die einen Kostenfaktor, was für die anderen Lebensmittel ist, will man nichts wissen.

Dass eine gewisse Motivation zu solchen Äußerungen – von Seiten der Politikerklasse – durch den laufenden Wahlkampf besteht, ist wohl anzunehmen. In diesem Rahmen bietet es sich auch an, sich durch die Zurückweisung selbst der billigsten Einsichten in diese Wirtschaftsweise, in ein moralisch günstiges Licht zu rücken: „Des einen Leid ist des anderen Freud: Das darf es in Europa nicht geben.“ (Harald Schartau, http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,529212,00.html)

[1] Ein Betriebsrat sagte: „Ich bin tief enttäuscht. Ich bezeichne so etwas als Habgier bei einer Firma, die Milliardengewinne macht.“
(http://www.jungewelt.de/2008/01-16/057.php)
[2] Fraktionsvorsitzende Klaus Ernst erklärte, die Nokia-Pläne seien ein »Symbol für eine schier endlose Profitgier«.
(http://www.jungewelt.de/2008/01-17/064.php)
[3] „Die Menschen, die ihre ganze Arbeitskraft in den Erfolg des Unternehmens investiert haben, sind ihr egal.“
(Kurt Beck, http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,528973,00.html)
[4] „Der Verbraucher erwartet von einem Unternehmen, das in Deutschland produziert und dessen Produkte er kauft, zu Recht Verantwortung für den Standort.“ (dergl. ebenda)


11 Antworten auf “Nokia macht schluss: Wieder nichts gelernt”


  1. 1 frechi fercgel 19. Januar 2008 um 19:38 Uhr

    und immer wenn sich dieser „idealfall“ so gar nicht einstellen will, rufen die spacken (u.a alle von attac,linkspartei, gewerkschaftler) den (sozial)staat auf den plan, der ja heute mehr denn je(stichwort: globalisierung und RISIKOGESELLSCHAFT) als pendant zur „Profitmaximierung ausgerichtete Geschäftspolitik” des kapitalismus gedacht wird. leider trillern sich die leute ihr gehirn 6uhr morgens vor der fabrik gegen das nichtmal halbrichtige aus den köpfen.“arbeit“ ist was für idioten.

  2. 2 frechi fercgel 19. Januar 2008 um 19:52 Uhr

    meine forderung deswegen hintergeschissen: gewerkschaften ODER kapitalismus abschaffen (je nachdem was schneller geht)

  3. 3 frechi 23. Januar 2008 um 14:01 Uhr

    Deutsche Arbeit, Gute Arbeit, Finanzkapital aber überhaupt keine Arbeit!

    auf

    http://www.bild.t-online.de/BILD/news/standards/post-von-wagner/2008/01/23/post-von-wagner,geo=3553174.html

  4. 4 Administrator 23. Januar 2008 um 14:32 Uhr

    Ein Vollidiot, der Wagner.

  5. 5 Neoprene 23. Januar 2008 um 19:23 Uhr

    Was heißt schon „Vollidiot“?
    Wagners empörtes „Es geht niemandem darum, dass ein Bochumer glücklich bis ans Ende seines Lebens leben kann, es geht um Rendite.“
    ist doch *der* Standardspruch, denn der Kollege in der Mittagspause genauso drauf hat, wie der Spiegel-Schreiberling. Es ist doch nur wieder mal die verlogene „eigentlich“-Argumentation: Jeder weiß, daß es um das Glück der Bochumer etc *nicht* geht, aber *eigentlich* sollte es drum gehen. Was aber nicht heißt, daß man das dann auch ernst meint und sich und andere fragt, was dann anders werden müßte. Nein der gleiche Kollege, der so was eben noch gesagt hat, macht sich dann weiter Gedanken über die optimale Lage seiner Brückentage, weil sich schon wieder damit abgefunden hat, daß es um sein wohl eben nicht geht. Es ist die halbe Erkenntnis gekoppelt mit der letzlich entscheidenden Leugnung dieser Erkenntnis, also nur ein elendes Rumgeeiere.

  6. 6 Billy 29. Januar 2008 um 23:52 Uhr

    „In diesem äußert beliebten Urteil, nach dem man nicht lange suchen muss, wenn ein großes Unternehmen mal wieder das tut wozu ihn die Konkurrenz, in der es sich begeben hat, zwingt, kommt die Notwendigkeit, mit der diese ganze Poduktionsweise Schaden anrichtet, gar nicht vor. Das ist, in dieser Vorstellung, immer nur dann der Fall, wenn Funktionseliten ihrer sozialen Verantwortung nicht nachkommen.“

    Dann führ die besagte Notwendigkeit doch mal aus, ansonsten weiss ich gar nicht was der Text soll.

  7. 7 devnull 30. Januar 2008 um 16:43 Uhr

    Geht es dir tatsächlich um die Klärung der Frage nach der Notwendigkeit? Oder willst du bloss sagen, du hättest den Text sinnvoller gefunden, wäre die Klärung in ihm enthalten? Im letzten Fall nehme ich die Kritik zur Kenntnis, spare mir aber das Geforderte an dieser Stelle.

  8. 8 Billy 30. Januar 2008 um 17:02 Uhr

    Das Zweite. Jemand, der um die Notwendigkeit weiss, weiss vermutlich auch das in der Öffentlichkeit viel Falsches über dieser Produktionsweise kursiert: z.B. dass der Schaden nicht notwendig ist. So jemandem sagt der Text dann aber auch nichts neues.

    Jemanden agitieren kannst du mit dem Text aber auch nicht. Dann müsstest du die Notwendigkeit ausführen, ansonsten kommen die allseits bekannten Einwände: „Wenn die nur nicht so gierig wären“, Missmanagement etc.

  9. 9 m. dietzns 04. März 2008 um 22:28 Uhr

    schön geschrieben das. lol
    da steckt die notwendigkeit übrigens:
    „Dem Kapital geht es allein um Profitmaximierung“

  10. 10 frechi1 14. September 2008 um 19:31 Uhr
  11. 11 Qizediobuir 27. Dezember 2009 um 18:31 Uhr

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